Gesellschaftskritik006

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Nikolaikirche und Montagsdemos

Gesellschaftskritik - Thema 6

Über den Nutzen von Protest

Am 08.06.2026 ergab sich mir eine Gelegenheit zur Besichtigung der Nikolaikirche in Leipzig. Schon längere Zeit hatte ich es versucht, doch waren die Türen immer durch Veranstaltungen geschlossen. Nun funktionierte es und zufällig noch dazu mit einer Führung durch einen Mann, der die Ereignisse der Wendezeit dort miterlebt und mitgestaltet hat. Er begleitete eine Schulklasse durch die Kirchenportale und mir wurde es nicht verboten, daran teilzunehmen, was ich auch tat.

Er berichtete vom Widerstand der Menschen zur Vorwendezeit. „Schwerter zu Pflugscharen“ war der Stoff-Aufnäher, der der DDR-Führung ein Dorn im Auge gewesen war. Er berichtete von übergriffig werdenden Volkspolizisten, die auch ihn festgenommen haben und ihm mit der Führungskette Gewalt antaten, um ihn zu beugen. Es war ein äußerst interessanter Augenzeugen- und Zeitzeugenbericht!

 

Ich selbst habe auch meine Erfahrungen zur Wendezeit gemacht. Und ich habe mich bei dem Vortrag damit zurückgehalten, meine Sichtweise der Dinge dort anzubringen. Hier jedoch sei es mir gestattet.

 

Auch ich als junger DDR-Polizist war bereits seit 1983 ein Anhänger der Perestroika-Reformpolitik von Michael Gorbatschow. Dies war nicht nur auf der Seite des Widerstandes so.

Viele Menschen wollten eine neue Politik im Sozialismus, aber die Machtstrukturen im Staat waren so festgefahren, daß es tatsächlich der Wende von 1989 bedurfte, um Reformen möglich werden zu lassen.

Viele Menschen kamen 1989 in die Kirchen in Leipzig, um diese DDR-Reform durch stillen Protest herbeizuführen. Die Kirche in Leipzig hatte dabei die führende Position eingenommen. Die Wende war notwendig geworden, weil die Menschen, die die gesellschaftliche Verantwortung trugen, nicht mehr reformfähig waren. Die Entwicklung war festgefahren und stagnierte.

 

Der Kapitalismus hat die DDR-Bevölkerung größtenteils vereinnahmt. Und der Kapitalismus setzte sich durch in Ostdeutschland.

Im Nachhinein betrachtet, war diese zunächst für mich erschreckende Tatsache doch letzten Endes ein Segen für unser Land. Das Gemeineigentum wurde aufgegeben und die Privatisierung wurde in allen Bereichen durchgesetzt, sozialkonform oder eben auch nicht.

Alles wäre gut, wenn nicht die Menschen heute, nach 35 Jahren Nachwendezeit, wieder auf die Straße gehen wollen, um die Regierung im Land BRD zu kappen. Ketzerisch sage ich dazu: Für diesen Kapitalismus, den wir heute haben, dafür sind wir doch 1989 auf die Straße gegangen, nachgerade auch in Leipzig. Der heutige Staat BRD ist doch der reine Kapitalismus und großen Zügen auch der damals prophezeite Imperialismus. Jetzt wollen die Menschen diesen nicht mehr haben. Jetzt vermissen sie die Freiheit, ebenso, wie zu Vorwendezeiten. Die Geschichte wiederholt sich. Jetzt will die Gesellschaft loswerden, was sie sich vor 30 Jahren erkämpft hat.

 

Mir stellt sich die Frage, war denn dann damals die Wende falsch? Hätten die Menschen den Kapitalismus nicht ins Land holen sollen?

Antwort ist: Nein die Wende war nicht falsch! Und es war gut, den Kapitalismus mit allen seinen Vor- und Nachteilen ins Land zu holen! Aber der Kapitalismus braucht nun offenbar eine Reform.

 

Und diese Reform des Kapitalismus sollte heute bewertet werden! Was ist die Philosophie, die den guten Nutzen einer solchen Reform sichert?

Offensichtlich erbringt es nichts, wenn die jetzige Regierung zum Rücktritt genötigt werden würde, weil die negativen Strukturen in der Politik sich nicht in eine positive Entwicklungsrichtung einstellen.

Es braucht heute keine Reform des Staates BRD. Eine Diktatur, die die bestehende Demokratie ablöst, hat das Volk der Deutschen bereits erlebt.

Es braucht eine Reform der Menschen! Jeder Mensch, an welcher Stelle der Gesellschaft er auch steht, jeder sollte sich zuerst und zuallererst selbst in diejenige Kritik nehmen, in die er den Staat und seine Regierung nimmt! Wenn der Regierung eine unverhältnismäßig und zum Extremismus tendierende Kriegspolitik vorgeworfen wird, so tut sie dies, weil es ein willkommener Wirtschaftsfaktor ist, der die Profite in schwindelnde Höhen steigen läßt. Die Rüstungsindustrie erlebt einen Aufschwung, der im Frieden gar nicht möglich gewesen wäre. Wir alle ziehen doch einen Nutzen aus dem Ukrainekrieg, denn die Rüstungskonzerne fahren einen extremen Profit ein und der Staat kassiert die Steuern von diesen. Oder ist das nicht so. Im Kapitalismus regiert nun mal das Kapital und nicht die Menschlichkeit. Oder ist das nicht so? Sind wir nicht dafür 1989 auf die Straße gegangen, damit der maximale Kapitalgewinn zum politischen Zugmittel Nr. 1 für offenbar alle Politiker wird. Nun, ich denke, dafür sind die DDR-Bürger nicht auf die Straße gegangen, denn sonst würden wir heute nicht dagegen schimpfen. Doch liegt es nicht am Staat, daß es so ist! Es liegt an den Menschen, die diesen Staat tagtäglich durch ihr Wirken realisieren!

 

Als ehemaliger DDR-Polizist darf ich sagen: Ich war als DDR-Polizist durch nichts und niemanden dazu bestimmt oder gedrängt, anderen Menschen Gewalt anzutun. Es wäre meine Sache und mein Entschluß gewesen, wenn ich das getan hätte. Und die DDR-Polizisten, die diese Gewalt ausgeübt haben, die sind ein jeder an ihrer eigenen Nase zu fassen und sie dürfen sich persönlich fragen lassen, ob das immer rechtens gewesen war.

 

Und heute ist es wieder so! Die Polizisten, die die Macht des Staates repräsentieren, wenden Gewalt nach ihrem rechtmäßigen Ermessen an. Wer wollte da schimpfen. Heute, wie damals gilt: Wer sich aktiv gegen den Staat stellt, der muß auch damit rechnen, daß er das Gewaltmonopol des Staates zu spüren bekommt. Das haben die Bürgerrechtler zu DDR-Zeiten gewußt und zustimmend in Kauf genommen.

 

In der Nikolaikirche betonte der die Führung durchführende Zeitzeuge, daß die DDR-Führung nicht damit gerechnet hatte, auf Kerzen und Gebete reagieren zu sollen. Das brachte der Wende den Erfolg.

 

Zurück ins Heute! Der Kapitalismus ändert sich nicht, wenn die Menschen, die heute die Regierungsverantwortung wahrnehmen, ausgetauscht werden! Der Kapitalismus ändert sich nicht, wenn die Parteien, die die Regierungsgewalt im Staate besitzen, ausgetauscht werden. Die Menschen dürfen gern auf die Straße gehen und sie dürfen auch gern eine Million Menschen vor den Bundestag stellen, sie können vielleicht den Rücktritt der bestehenden Regierung erzwingen und eine andere vermutlich bessere Partei installieren, aber am Ende ändern sie den Kapitalismus nicht. Schon zu DDR-Zeiten wurde mir ein Spruch bekannt, der damals wie heute Geltung besitzt: „Politik wird an der Basis gemacht!“.

Wenn der Regierung vorgeworfen wird, Kriegspolitik in ungehemmter Weise zu betreiben, dann kann man das Verwerflich finden. Doch ist die Ursache dieser Kriegspolitik nicht in der Regierung gegeben, sondern an der Basis! Alle ihr Menschen, die ihr zuhauf nach Berlin fahrt, habt ihr nicht vielleicht Aktien in einem Aktienfond gekauft, privat oder auch mit Finanzkapital von euren Firmen. Und habt ihr denn die tatsächliche Kontrolle, welche Konzerne mit eurem Aktienanteilen gefördert werden? Wer Aktien hat, für die er selbst und nur für sich zu hundert Prozent dafür versichern kann, daß keine Rüstungsindustrie für den Gewinn seiner Aktie einsteht, der darf Friedenspolitik einfordern. Doch bevor er nach Berlin fährt, um diese Friedenspolitik einzufordern, sollte er doch bei seinen Nachbarn im Umkreis seines Wohnortes herumfragen, wer hier Rüstungspolitik mit seinem Eigenkapital unterstützt, und am Krieg gewinnen will, indem er mit seinen Aktienanteilen Gewinn machen will. Deine Aktienschweren Nachbarn müssen ihre Politik ändern, von Kriegs- zur Friedenspolitik! Erst, wenn du dies sichergestellt hat, kannst du nach Berlin fahren und der aktuellen Regierung etwas erzählen wollen.

Nun soll das aber keine Aufforderung sein, allen Nachbarn in der Umgebung auf den Keks zu gehen, damit sie ihre Aktienanteile abstoßen und ihr Finanzkapital aufgeben! Da braucht niemand losgehen und daß auch nur von einem anderen Menschen in seiner Umgebung einfordern wollen.

 

Resümee: Nicht die Kriegspolitik der Regierung wirst du ändern, weil du die Aktionäre dieser Politik nicht verändern kannst! Nicht einen einzigen Nachbarn, der ein solcher Aktionär ist, wirst du verändern können, weil du ihm sein Geld nicht streitig machen kannst! Und das ist gut so!

Was also kannst du erfolgreich verändern? Nur du selbst, kannst dich erfolgreich und unwidersprochen so verändern, daß du in deinem eigenen Leben und mit deinen eigenen Finanzen die Kriegspolitik der Regierung nicht stützt. Wenn du Aktien hast, die ggf. Rüstungsfirmen füttern, dann kannst du dich über kurz oder lang, von diesen lösen. Niemandem als nur dir selbst bist du darüber Rechenschaft schuldig! Und wenn du diese Rüstungsaktien behalten willst und den dir versprochenen Gewinn einfahren willst, dann behalte eben deine Aktien, aber dann schimpfe nicht auf die Regierungspolitik, auf die Kriegspolitik der Regierung!

 

Um die Probleme im Staat BRD zu lösen, braucht vor allem eine Änderung bei den Menschen im Staat. Nicht der Staat macht die Menschen, sondern die Menschen machen den Staat. Jeder kann nur einen Menschen zum Guten verändern, ohne ihn bekämpfen zu müssen oder ihm Gewalt anzutun und das ist er selbst! Verändern sie sich zuerst selbst! Und erkennen sie ihre Ohnmacht, ihren Nebenmann verändern zu können, ohne ihm Gewalt anzutun.

 

Für den durchführenden Zeitzeugen der Führung in der Nikolaikirche sei noch gesagt: Auch viele DDR-Polizisten wollten eine Veränderung in der DDR-Politik. Denn im Grunde genommen, wollten die Menschen in der DDR dasjenige Himmelreich für alle Menschen aufbauen, welches auch die Christuskirchen noch heute herbeisehnen. Und wer sich gegen den Staat DDR stellte, der hat die gute Zukunft für alle Menschen im Lande gefährdet. Und so gesehen, haben die DDR-Polizisten für eine gute Zukunft gekämpft, als sie den Sozialismus auf der Straße in Leipzig verteidigt haben, und die Bürgerrechtler, die sich ihnen entgegenstellten, haben ebenso für die bessere Zukunft gekämpft, als sie sich gegen die DDR-Polizisten stellten. Und deshalb blieb die Wende friedlich, weil es eigentlich keine sich gegenüberstehenden Feinde gab, sondern nur unterschiedliche Ansichten über die Wege zum gemeinsamen Ziel. Und deshalb darf dieser Bürgerrechtler in der Nikolaikirche dem DDR-Polizisten die christliche Vergebung angedeihen lassen, daß er die Führungskette als Droh- und Druckmittel gegen ihn eingesetzt hat. Und der DDR-Polizist darf es dem Bürgerrechtler vergeben, daß er ihm und sich selbst das vermeintliche Himmelreich kaputt gemacht hat.

 

Der Staat DDR hatte seine Reformfähigkeit verloren, deshalb war die Wende eine notwendig eintretende Entwicklung. So ergeht es jedem Staat, der seine Reformfähigkeit verliert, auch dem heutigen Staat ergeht es so, ohne eine Drohung auszusprechen. Sie, die Menschen der heutigen Zeit, ein jeder für sich, führen sie die Wende in der Jetztzeit herbei, indem sie diese zuerst selbst und für sich realisieren. Ändern sie in ihrem eigenen Leben und nur dort, die Tatsache, daß das Kapital, daß das Geld ihre eigene Politik, ihre eigene Firma und überhaupt ihr Leben zuerst bestimmt! So einfach ist die Sache und sie sparen sich das Benzingeld nach Berlin noch dazu!

 

Ist das heute nicht auch so wie oben beschrieben: „Die Wende war notwendig geworden, weil die Menschen, die die gesellschaftliche Verantwortung trugen, nicht mehr reformfähig waren. Die Entwicklung war festgefahren und stagnierte.“ ?

 

Wenn sich die Menschen nicht ändern, ändert sich der Staat auch nicht. Sie dürfen ihre Verantwortung dabei wahrnehmen! Erkennen sie zuallererst den Dorn im eigenen Auge. Wenn sie sich den Schuh nicht anziehen müssen, dann bleiben sie achtsam. Gott ist der Richter, der jedem Menschen ins Herze hineinsieht. Gott und sich selbst, kann man nicht betrügen!

 

Der Sozialismus war nicht in der Lage, seinen Menschen ein Himmelreich zu bieten und wäre es auch nie gewesen. Und die Menschen mit Führungsverantwortung waren nicht mehr reformfähig. Deshalb hat ihnen die Materiestrukturtheorie das Rückgrat gebrochen. Sie wollte die notwendige Reform nicht haben und damit haben sie ihre eigene Wahrheit verloren. Sie haben ihren Gott verloren, denn Gott ist die Wahrheit! Und die Wahrheit ist Gott! Und die Wahrheit ist eine stets sich verändernde Wahrheit. Und wer sich nicht verändern kann, der verliert seinen Gott. Ein Himmelreich erreichen kann nur derjenige Mensch, der zuerst Gott und mit diesem der Wahrheit dient. Und kein Mensch und keine Partei darf sich anmaßen, sich als Gott verehren zu lassen! Damals nicht und heute nicht!

 

 


 

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